25 Fragen an Thomas Riedel

[01] Mit wem haben wir es zu tun?
Thomas Riedel.
[02] Ihr Jahrgang?
1981.
[03] Was war Ihr ursprünglicher Berufswunsch?
Buchautor.
[04] Was war Ihre durchschnittliche Deutschnote?
Eine 2.
[05] Seit wann sind Sie Journalist?
Kann ich so genau nicht sagen. Hauptberuflich aber seit 2013.
[06] In welchem Bereich arbeiten Sie (Print/Hörfunk/Fernsehen/Online)?
Online.
[07] Was ist Ihr typischer Arbeitsgegenstand?
Das Internet.
[08] Sind Sie frei oder angestellt?
Frei!

Datenjournalismus ist nicht die Zukunft des Journalismus

[09] Haben Sie ein Volontariat absolviert oder eine Journalistenschule besucht?
Volontariat bei einem Familienmagazin (Print).
[10] Was war Ihre erste Journalistentätigkeit?
Lokalredaktuer beim Schwarzwälder Boten.
[11] Was war Ihre letzte Story? (zum Zeitpunkt des Fragebogen-Einreichens)
Coworking Cologne, der erste Coworkingspace Köln ist in eine neue Location gezogen und hat das betahaus Köln überlebt. Geschichte, Konzept und Neuausrichtung. Interview mit Jan Kus.
[12] Gibt es eine Story, die Sie gerne gemacht hätten?
Wie Richard Gutjahr auf dem Tahrir-Platz zu stehen ist – eine unfassbar aufregende Geschichte.
[13] Haben Sie ein journalistisches Vorbild?
Da müsste ich auswählen. Vielleicht ist es jetzt gerade Mario Sixtus.
[14] Was ist Ihr Lieblingsmedium?
<DOZENTENmodus> Ich hoffe hier antwortet niemand mit „Internet“. Das Internet ist kein Medium, sondern Infrastruktur.
Online-Magazine, Mikrobloggingplattformen, usw. können ein Medium sein. Hängt aber auch von der Nutzung ab.</DOZENTENmodus>
Totholzmagazine wie zum Beispiel die „Froh!“
[15] Hatten Sie einen peinlichen Moment im Berufsleben?
Ja. Fotografierte eine Politesse bei der Arbeit. Nahm mich mit auf die Wache. Es stellte sich heraus, das sie die Schwester des Chefredakteurs war. So kam ich ungeschoren davon, durfte aber eine Woche lang Polizeimeldungen schreiben.
[16] Haben Sie Papiermedien zu Hause?
Hauptsächlich Magazine zu bestimmten Themen oder sehr hochwertige Produkte.
[17] Was ist mit Datenjournalismus?
Sollte man schon mal von gehört haben, wenn man nicht für ein anderes Sonnensystem schreibt. Nicht die Zukunft des Journalismus, sondern eine spannende weitere Möglichkeit „Online“ zu nutzen – um sich von anderen Medien abzusetzen, die einfach nur Totholzprodukte digital kopieren. Außerdem eine gute Möglichkeit für einzelne Freie, sich mit einem Projekt schnell bekannt zu machen und Renomee abzupflücken.
[18] Muss es immer crossmedial sein?
Es braucht nur in wenigen Fällen crossmedial sein. Für 95% der Arbeit reicht Text. Crossmedial ist aber dann sinnvoll, wenn Sachverhalte komplex sind, oder es eine lange Geschichte zu erzählen gibt. Da muss genügend Substanz vorhanden sein. Sonst wirkt crossmedial hohl und verschlingt Ressourcen, die man in die Qualität an anderer Stelle stecken könnte.

Es braucht eine verstärkte Mediendebatte

[19] Woher kommt zukünftig das Geld im Journalismus?
Aus dem Geldbeutel von allen: Lesern, Verlegern, Agenturen. Der Mix ist besonders für Freie Teil ihres Profils und worauf sie sich spezialisieren. Darum kann die Frage so nicht beantwortet werden. Eventuell wird durch neue Tools eines Tages die Bezahlung durch die Crowd verstärkt, das gilt es aber noch zu entwickeln. Crowdfunding (im Abgrezung zu oben erwähnten mikropayments) ist aber nur projektweise interessant, da sehr aufwändig.
[20] Journalisten, die über Journalisten schreiben, sind…
noch viel zu wenige! Medienjournalismus tut not in Deutschland. Wirt stehen da europaweit ganz hinten. Es braucht eine verstärkte Mediendebatte und viel mehr Mut zu Experimenten, die breit kommuniziert werden. Medien sind viel zu wichtig, als das man es ein paar wenigen Überlassen sollte sie zu prägen und darüber zu schreiben.
[21] Was ist die größte Herausforderung für den Journalismus?
Abnabelung vom Tropf der Verlage und sich wieder mehr dem Leser widmen. Wir brauchen viel, viel mehr Freie, die sich ihre Leserschaft aufbaut. Diese müssen ein Netzwerk bauen und auf dieser Basis können neue Plattformen, Magazine und Produkte entwickelt werden.
[22] Wie sieht der Journalismus 2030 aus?
Prophetische Weißsagungen sind nicht Teil der journalistischen Arbeit. 🙂
[23] Journalisten können/sollen/müssen…
endlich begreifen, das sie nicht Journalisten sind, weil sie Teil einer beruflichen Ausbildung waren und diese bestanden haben.  Journalismus ist eine Methode, die es gilt gewissenhaft einzusetzen. Das heißt: Jeder kann die Methode Journalismus verwenden und wird es auch schon. Deal with it! Das heißt: Das Gewissen ist kein nettes Produktfeature sondern notwendige Bedingung für journalistisches Arbeiten. Adieu PR-Fuzzies!
[24] Journalisten ohne Blog…
brauchen für ihre Arbeit vielleicht auch keines. Journalisten ohne Blog muss man erst mal fragen, bevor man über sie urteilt. Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass jemand kein Blog braucht. Wir brauchen kein hämisches Gelächter von den ach so tollen Online-Journalisten, die ja so tolle Blogs pflegen und trotzdem sich kaufen lassen. Da haben die Online-Journalisten nämlich auch verdammt viel verbockt in letzter Zeit.
Ein Blog kann aber für einen Journalisten oder jemanden, der journalistisch arbeitet sinnvoll sein, um seine Arbeit zu reflektieren und über die Kommentarfunktion Feedback von Kollegen oder Lesern zu erhalten. Wer als journalistischer Arbeiter online publiziert, dem ist zu empfehlen, sich in einem selbstinstallierten Blog zu üben und neue Werkzeuge auszuprobieren, um sich fortzubilden und den Anschluss nicht zu verlieren. Wer bei seiner Arbeit nicht unabhängig sein kann, oder die Möglichkeit haben möchte unabhängig zu publizieren, der sollte sich ebenso ein eigenes Blog installieren.
[25] Würden Sie sich heute nochmal für diesen Beruf entscheiden?
Auf jeden Fall. Es entspricht meiner Art an Dinge heranzugehen, mich Menschen und Orte zu nähern, zu entdecken und die Geschichte zu schreiben.

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