25 Fragen an Dorin Popa

Dorin Popa

Dorin Popa

[01] Mit wem haben wir es zu tun?
Dorin Popa.
[02] Ihr Jahrgang?
1961.
[03] Was war Ihr ursprünglicher Berufswunsch?
Als Kind wollte ich mal für kurze Zeit Berufsoffizier bei den australischen Streitkräften oder Naturparkranger werden, aber im Grunde schon immer Journalist. (Vater: Journalist. Großvater: Journalist. Andererseits: meine älteren Geschwister haben sich für andere Berufe entschieden.)
[04] Was war Ihre durchschnittliche Deutschnote?
In der Kollegstufe 8 bzw. 9 Punkte, davor oft ein ausreichend oder befriedigend. Es gab aber auch mal ein gut.
[05] Seit wann sind Sie Journalist?
Schon vor dem Abitur damit Geld verdient, seit dem Abitur Journalist.
[06] In welchem Bereich arbeiten Sie (Print/Hörfunk/Fernsehen/Online)?
Print bezahltermaßen, online auf eigene Rechnung.
[07] Was ist Ihr typischer Arbeitsgegenstand?
Device mit Internetanschluss, das kann ein Smartphone, Tablet, Laptop oder Desktop sein.
[08] Sind Sie frei oder angestellt?
Pauschalist.

Datenjournalismus: Faszinierend!

[09] Haben Sie ein Volontariat absolviert oder eine Journalistenschule besucht?
Weder noch. Ein paar Semester Jura und Romanistik studiert, aber ich gehöre zu den wenigen, die es geschafft haben, keinen einzigen Schein im Studium zu erwerben, dafür aber zweimal zwangsexmatrikuliert worden zu sein.
[10] Was war Ihre erste Journalistentätigkeit?
Stadtteilreporter für „City München“.
[11] Was war Ihre letzte Story? (zum Zeitpunkt des Fragebogen-Einreichens)
Das Catherine-Zeta-Jones-Porträt einer englischsprachigen Kollegin der Redaktion vorgeschlagen, eingekauft, übersetzt und gekürzt. Journalismus ist nicht nur Selbstverwirklichung, sondern auch Dienst an Texten Dritter.
[12] Gibt es eine Story, die Sie gerne gemacht hätten?
Hatte eine Einzelinterview mit Vanessa Paradis vereinbart, es aber nicht wahrgenommen. Sie war gut drauf, erzählen die Kollegen. Sie trug eine transparente Bluse mit nichts drunter, erzählen die Kollegen.
[13] Haben Sie ein journalistisches Vorbild?
Jörg Fauser, Julie Burchill.
[14] Was ist Ihr Lieblingsmedium?
Libération. Die Mischung aus Fakten, Haltung und Hedonismus. Und weil ich mich damit wie Gott in Frankreich fühle, selbst wenn ich sie hier in Deutschland lese.
[15] Hatten Sie einen peinlichen Moment im Berufsleben?
Viele. Stundenlang mit Martina Gedeck bei einem Interview Wein getrunken und dann nicht genug Geld für die Zeche gehabt (sie hat es mir gepumpt).
Von Catherine Flemming auf einer Party vorgeworfen bekommen, ich wäre nur so kritisch, weil ich nicht genug vögle. Bei einem Interview mit Deborah Kaufmann leise zu heulen begonnen, weil sie so schön erzählt. David Duchovny beim Interview erzählt, daß ich gerade „Deep Impact“ mit seiner Frau Téa Leoni gesehen hätte und dabei im Kino geheult hätte.
[16] Haben Sie Papiermedien zu Hause?
Nur die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Clap. Alles andere lese ich im Café oder in der Redaktion.
[17] Was ist mit Datenjournalismus?
Faszinierend.
[18] Muss es immer crossmedial sein?
Es kommt nicht auf die technischen Mittel ein, sondern auf das Verhältnis der Beteiligten. Die Zeiten der Elfenbeintürme und Gatekeeper sind vorbei, man recherchiert, kommuniziert, unterhält mehr auf Augenhöhe. Der einzelne Journalist wird auch wichtiger, während die Bedeutung der als Plattform dienenden Redaktion abnimmt. Crossmedial kann dabei sehr nützlich sein.

Jeden Tag das Beste herausholen, statt Theorien für die Zukunft zu entwickeln

[19] Woher kommt zukünftig das Geld im Journalismus?
Wo es schon immer herkam, nur in veränderten Anteilen. Anzeigen, Einzelverkauf, Abos, Stiftungen, Gebühren, Subventionen, Querfinanzierungen, Line Extension, Sponsoring und so weiter, und so fort. Jede Redaktion muss da ihre eigene Mischkalkulation finden. Wobei Geld nicht alles ist.
[20] Journalisten, die über Journalisten schreiben, sind…
auf dem besten Weg, Karriere zu machen. Besonders, wenn sie über Chefredakteure schreiben.
[21] Was ist die größte Herausforderung für den Journalismus?
Die größte Herausforderung ist Jahrzehnte her, als mit den Privatsendern die Anzahl der Journalisten explodierte, Unterhaltung die Information ablöste und das Berufsbild sich wandelte. Journalismus wurde für viele ein Weg, am Tisch der Berühmten und Mächtigen naschen zu dürfen. Der Lifestyle wurde wichtiger als die Inhalte.
[22] Wie sieht der Journalismus 2030 aus?
Der Journalismus vor siebzehn Jahren sah nicht viel anders aus als heute. Und wenn ich noch einmal siebzehn Jahre drauf lege auch nicht, nur dass wir mit einem Kugelkopf-Composer statt mit dem Computer arbeiteten und mit Fixogum statt mit InDesign. Ich glaube, daß es für uns Journalisten wichtiger ist, heute jeden Tag das Beste herauszuholen und mit allen Möglichkeiten zu spielen, statt Thesen oder Theorien für die Zukunft zu entwickeln. Die kommt von allein.
[23] Journalisten können/sollen/müssen…
nicht Journalismus, Kommunikationswissenschaft oder ähnliches studieren, sondern was Branchenfremdes. Man endet früh genug im selbstreferentiellen Irrsinn, da schadet es nicht, im Leben auch mal was anderes erlebt zu haben.
[24] Journalisten ohne Blog…
verschenken die Möglichkeit, ihr Profil zu schärfen und bleiben austauschbarer. Ich träume immer von einer Zukunft, in der Journalisten wie Fußballspieler gegen hohe Ablösesummen den Verein, das heißt die Redaktion wechseln. (Mikro-)Blogs sind der Weg dorthin.
[25] Würden Sie sich heute nochmal für diesen Beruf entscheiden?
Mehr denn je. Auch wenn Journalismus zu den Berufen zählt, in denen man stets im Dienst ist, war es für mich schon immer der schönste Beruf der Welt. In dem man sich täglich neu erfinden kann. Und mit dem technischen Fortschritt nehmen die Möglichkeiten noch zu.

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Ein Gedanke zu „25 Fragen an Dorin Popa

  1. Journalisten ohne Blog…verschenken die Möglichkeit, ihr Profil zu schärfen und bleiben austauschbarer. Dieser Satz ist wunderbar auf alle anderen Berufsfelder austauschbar, vor allen was den Bereich der Kreativen betrifft. Danke für diesen Beitrag.

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